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Interview mit Frau Pia Vogler, Rektorin des Heilpädagogischen Zentrum Hohenrain (HPZH)

Das HPZH ist ein wichtiger Akteur für das Projekt «im Chrüz». Frau Vogler erklärt uns in diesem Interview die Aufgaben und Ausrichtung des HPZH und die Gründe für das Engagement der Institution für dieses Projekt.

Sicht auf Hohenrain

Wo sehen sie die Chancen in der Zusammenarbeit mit der Genossenschaft «im Chrüz»?

Einen Platz für Menschen mit Behinderung in der Arbeitswelt zu finden, wird immer herausfordernder. Einfache, wiederkehrende Arbeiten sind rar geworden.
Ein neuer Begegnungsort entsteht im Dorfzentrum von Hohenrain, u.a. mit Bistro und Dorfladen. Dort sollen 3 – 4 Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap entstehen, sowie 2 – 3 Ausbildungsplätze für Jugendliche mit kognitiven Einschränkungen.

Die Genossenschaft «im Chrüz» hat uns für eine Zusammenarbeit angefragt, was aus mehreren Gründen zukunftsweisend ist.
Einerseits könnten HPZH-Mitarbeitende ihr agogisches Know-How bei der Begleitung und Betreuung von Mitarbeitenden mit einer Beeinträchtigung einbringen.
Andererseits ist die Schaffung von Ausbildungsplätzen für Jugendliche mit kognitiven Einschränkungen ein weiterer grosser Pluspunkt bei der angestrebten Zusammenarbeit.

Mit den integrierten Arbeits- und Ausbildungsplätzen wird eine Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben im ersten Arbeitsmarkt ermöglicht.

Wie würden Sie das Win-Win des Projekts Laden & Bistro «im Chrüz» für das HPZH, der Genossenschaft «im Chrüz» und der Dorfbevölkerung von Hohenrain beschreiben?

Seit vielen Jahren ist das HPZH bestrebt, ergänzend zu den Ausbildungsplätzen im geschützten Rahmen, in Institutionen Ausbildungsplätze im ersten Arbeitsmarkt zu finden.

Dieses Projekt schafft Arbeits- und Ausbildungsplätze und unterstützt somit unser Bestreben vollumfänglich.

Unsere HPZH-Vision „begegnen und öffnen“ spiegelt sich in dem Projekt wieder. Wir möchten Teil vom Ganzen sein, uns zeigen, Herausforderungen annehmen, Rahmen-bedingungen umsetzen, zusammenarbeiten und im Kontakt sein.

Wir begrüssen die Verbindung zwischen dem HPZH und dem neuen Dorfzentrum, gehört doch das HPZH als Bildungsstätte seit 170 Jahren zum Dorfbild. Mit der Integration von Menschen mit einem Handicap könnten neue Kontakte und Begegnungen mit der Dorfbevölkerung ermöglicht werden, eine nachhaltige Bereicherung für alle.

Würden Sie uns kurz das HPZH vorstellen?

Das HPZH ist die grösste und zugleich älteste Institution für Kinder und Jugendliche mit geistigen oder sprachlichen Beeinträchtigungen im Kanton Luzern.
Aktuell werden rund 200 Kinder und Jugendliche betreut und gefördert. Rund ein Drittel der Schülerinnen und Schüler leben bei uns während den Schulwochen im Voll- oder Teilzeitinternat.

Insgesamt sind ca. 300 Mitarbeitende für das HPZH tätig. Sie sind in den Fachbereichen Unterricht, Sozialpädagogik und Therapie sowie im Bereich Zentrale Dienste beschäftigt.
Nebst dem Kernauftrag als Schul- und Internatsbetrieb ist das HPZH auch ein Arbeitgeber für Menschen mit einer Beeinträchtigung (geschützte Arbeitsplätze) sowie ein Ausbildungsbetrieb (Lehre zur Fachfrau/zum Fachmann Betriebsunterhalt EBA und EFZ, Lehre zur Kauffrau/zum Kaufmann EFZ, Lehre zur Küchenangestellten/zum Küchen-angestellten EBA sowie Praktiker/in PrA Hauswirtschaft im Betagtenzentrum oder Kita).

Welche Möglichkeiten bieten sich den Schülerinnen und Schüler des HPZH in Bezug auf eine berufliche Eingliederung?

Jugendliche mit einer sprachlichen Beeinträchtigung verlassen das HPZH spätestens nach der 9. Klasse. Ihre Lernziele richten sich nach den Lehrplänen der Regelschule. Häufig verbringen sie nur einen Teil ihrer Schulzeit bei uns.

Ziel der Sprachheilschulförderung ist eine Reintegration in die Regelschule.

Jugendliche mit einer geistigen Beeinträchtigung verlassen das HPZH nach den obligatorischen Schuljahren, spätestens mit Erreichung des 18. Lebensjahr.
Während der Sekundarstufe legen wir den Schwerpunkt darauf, für unsere Schülerinnen und Schüler eine sinnvolle Anschlusslösung und eine gute berufliche Eingliederung nach dem Schulaustritt zu finden.

Unterstützend bietet der Bereich Zentrale Dienste unseren Jugendlichen im 8. und 9. Schuljahr regelmässige Arbeitseinsätze in den Bereichen der Hauswirtschaft und beim Technischen Dienst an. Sinn und Zweck dieser Arbeitseinsätze ist die behutsame Annäherung ans Berufsleben.

Unsere Jugendlichen vom Bereich Sprachbehinderung lernen durch vielfältige und umfangreiche Schnupperlehren die Arbeitswelt kennen.
Interne Berufcoaches gewähren weitere vielfältige Unterstützung, wie z.B.

  • Potenzialanalyse
  • Besuch der Zentralschweizer Bildungsmesse (Zebi)
  • Workshop „Gespräche führen mit externen und internen Berufsbildern“

Unsere Jugendlichen vom Bereich Geistige Behinderung werden während der dreijährigen Sekundarschule im Berufswahlprozess bestmöglich auf eine Anschlusslösung vorbereitet.

Im 7. und 8. Schuljahr sammeln die Jugendlichen durch interne Arbeitseinsätze am HPZH erste wertvolle Arbeitserfahrung (Grossküche, Wäscherei, Technischer Dienst, Reinigung, Umgebungsarbeiten). Anschliessend schnuppern die Jugendlichen auswärts in Betrieben.
Ist das nötige Alter oder die Berufswahlreife noch nicht erreicht, bietet das Überbrückungsjahr am HPZH oder das Sonderpädagogische Brückenangebot in Luzern die Möglichkeit eines zusätzlichen Schuljahres. Im Überbrückungsjahr am HPZH haben die Jugendlichen zwanzig Lektionen Unterricht und elf Lektionen agogisches Angebot. Dieses besteht aus Arbeitstraining, z. B. Gartenarbeiten am HPZH und auswärts, Waldarbeiten im Raum Seetal, Herstellung von Produkten für den Weihnachtsmarkt, externen Umgebungsarbeiten, etc.).

Jugendliche, die in die Beschäftigung einer Erwachseneninstitution eintreten, besuchen in der Regel bis zu ihrem 18. Lebensjahr das Angebot der Überbrückungsjahre am HPZH. Im Vordergrund stehen dabei die Erweiterung der Selbständigkeit und das Arbeitstraining

Was sind die Ziele von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen mit für Menschen mit Beeinträchtigungen?

Unser Hauptziel ist darauf ausgerichtet, dass die Kinder und Jugendlichen ihre grösst-mögliche Selbständigkeit erreichen. Damit die soziale und berufliche Integration in unsere Gesellschaft, sowie ein möglichst optimaler Einstieg in eine berufliche Ausbildung oder in eine Beschäftigung/Betreuung in einer Erwachseneninstitution gelingt.

Neben dem Kernauftrag als kantonale Sonderschule führt das HPZH seit 1999 auch eine interne Hausdienstgruppe (HDG). In der HDG des HPZH sind zehn geschützte Arbeitsplätze durch Mitarbeitende mit psychischen, kognitiven- und / oder körperlichen Beeinträchtigungen besetzt. Diese Mitarbeitenden erbringen interne hauswirtschaftliche Dienstleistungen in den Bereichen Küche, Wäscherei, Reinigung sowie im Johanniter-Café. Es werden abwechslungsreiche Arbeitsplätze nach betrieblichen und persönlichen Möglichkeiten angeboten.

Zudem läuft seit 2009 am HPZH das Ausbildungsprojekt „Praktiker/in PrA Hauswirtschaft (im Betagtenzentrum)“. 2016 konnte es um die Ausbildung „Praktiker/in PrA Hauswirtschaft (in der Kindertagesstätte (Kita)“ erweitert werden.
Diese von der Invalidenversicherung (IV) finanzierten Ausbildungen ermöglichen jährlich durchschnittlich sechs Jugendlichen eine praktische Ausbildung in einem Altersheim oder in einer Kita sowie den Besuch der Berufsschule am HPZH.

Herzlichen Dank für die informativen Ausführungen.

Dürfen wir auf Ihre grosszügige Unterstützung zählen?

Über 250 Bewohner der Region sind schon Mitglied der Genossenschaft. Werden Sie auch ein Teil dieses Projektes, oder unterstützen Sie «im Chrüz» als Gönner.

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